Autonomes Fahren: Rivalen im Cockpit

Partnerschaft der Erzfeinde: Die Premium-Klasse der Autohersteller Daimler und BMW kooperieren beim autonomen Fahren mit umfangreichen Entwicklungsaktivitäten. Denn die Furcht vor den digitalen Konkurrenten ist riesig.

Mehr PS unter der Haube

Sektkorken knallen durch die Luft. Spieler, Trainer und Fans haben Tränen in den Augen. Es wird gefeiert bis in die Puppen – beim Revier-Kracher BVB gegen Schalke. Was? Wo nochmal? Richtig! Sie haben sich nicht verlesen. Bei der Mutter aller Derbys. Was beim Fußball ein Ding der Unmöglichkeit wäre, wird bei Autoherstellern jetzt auf breiter Basis möglich.

Einst als erbitterte Konkurrenten unterwegs, fahren Daimler und BMW seit Februar gemeinsam voran: mit umfangreichen Kooperationen und Entwicklungsprojekten bei selbstfahren Autos. Sogar das Austauschen von Patenten zwischen beiden Unternehmen wird diskutiert. 

Weniger Kosten, kürzere Entwicklungszeiten

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Insidern zufolge machen beide Oberklasse-Giganten nicht nur beim autonomen Fahren gemeinsame Sache, sondern auch bei der Entwicklung von Plattformen für zukünftige Modelle. Das erweiterte Zweckbündnis soll viele Vorteile bieten:

  • Durch die Kooperation wollen die Autohersteller sieben bis acht Milliarden Euro, insbesondere bei den Entwicklungskosten, einsparen.
  • Die neue Allianz will Entwicklungszeiten und Innnovationszyklen verkürzen.

Eine gemeinsame Roboterzentrale soll es nicht geben. Dafür wird von München und Stuttgart aus in gemischten Teams geschraubt, entwickelt und programmiert. Bei BMW betrifft dies derzeit etwa 1.300 Mitarbeiter, die vor allem an Assistenzsystemen arbeiten. Am Daimler-Standort Sindelfingen kommen noch einmal mehrere hundert Ingenieure dazu.

Daimler und BMW haben bereits ihre Mobilitätsdienste – Car2Go und DriveNow -- zusammengelegt. Quelle (Foto): Daimler

Ohne Wandel sind wir erledigt

Daimler-Chef Dieter Zetsche hat es kürzlich öffentlich gesagt: "Ohne Wandel sind wir erledigt". Er skizziert damit die sehr schwierige Situation vieler Autobauer in Deutschland: Investitionen in die E-Mobilität, mit denen sich zunächst kein Geld verdienen lässt. Dann der Brexit. Schwächelnde Märkte in China oder die Handelsstreitigkeiten mit den USA. Das gleicht der Quadratur eines Kreises. Um sich in allen wichtigen Zukunftsmärkten der Mobilität eine Pole-Position zu verschaffen, müsste ein typischer Autohersteller heute mehr als 60 Milliarden Euro investieren, so die Unternehmensberatung McKinsey. Das schaffe keiner allein. 

Frisches Denken für die Mobilität 4.0

Die Autohersteller sind daher gefordert, völlig neu zu denken – und die alten Grenzen in ihrem Wettbewerbsdenken zu verschieben. Nur so können Sie mit vielen anderen konkurrierenden Partnerschaften, vor allem mit den US-Technologieunternehmen wie die Google-Tochter Waymo oder Uber mithalten. Die US-Tech-Firmen tüfteln schon seit Jahren fleißig an Betriebssystemen für selbstfahrende Autos, Waymo startet gerade einen Robotertaxi-Service in einem Vorort der Stadt Phoenix in Arizona.