Ich bin auf der Suche nach Zeit. Genauer gesagt: Ich suche Einsparpotenziale. Denn wenn Ressourcen knapp sind und auch nicht zeitnah aufgebaut werden können (oder wollen), dann macht die Suche nach Effizienz Sinn. Das gleiche Ergebnis in kürzerer Zeit schaffen. Na? Geht bei Ihnen die Bedrohungslampe schon auf Alarm? Ahnen Sie, in welche Richtung meine Gedanken gehen? Vielleicht finden wir gemeinsam zwei Fahrstunden. Weniger. Eingespart. Die Frage ist, ob sich das mit Ihrer Autonomie verträgt. Aber lassen Sie sich kurz in meine Überlegungen entführen ...

Ich sitze im Auto. Und damit diese Zeilen verständlicher werden, möchte ich Rollen und Namen vergeben. Ich bin Peter Fuchs. Ich bin Fahrlehrer. Gebe eine Fahrstunde. Neben mir sitzt Lisa, meine Fahrschülerin. Zum Abschluss stimme ich (Peter) mit Lisa den Termin für die nächste Fahrstunde ab. Das ist üblich und passiert in über 90% der Fahrschulen genau so. Und mit Lisa ist das gar nicht so einfach den nächsten Termin für die Fahrstunde zu finden. Lisa hat nämlich kaum Zeit. Sie ist ein typischer Vertreter der GenZ. Wir blättern also gemeinsam unsere Terminkalender durch. Suchen Termine. Überlegen wo noch was unterzubringen ist und finden dann nach drei Anläufen den gemeinsamen Nenner.

Manchmal mischt in diesem Prozess sogar noch Elke mit. Elke ist die Mutter von Lisa. Elke verwaltet Lisas Terminkalender. Elke ist Helikoptermama. Und nicht selten sagt Lisa mir im Auto, dass sie ohne Elke gar keinen neuen Termin ausmachen kann.

So. Drei Fragen an Sie liebe Leserin, lieber Leser:

  1. Kennen Sie das?
  2. Wie geht es Ihnen dabei?
  3. Wie viel Zeit beansprucht die Terminfindung?

Ich mache es mal kurz:

  1. Ja.
  2. Genervt.
  3. Und hier wäre ich jetzt gespannt auf Ihre Einschätzung!

Wie lange dauern eigentlich diese Terminvereinbarungen?

Das kommt darauf an, werden Sie sagen. Und ich bin bei Ihnen. Es gibt organisierte und entscheidungsfreudige Fahrschüler, da erledigen Sie das in 25 Sekunden. Es gibt auch das andere Extrem. Ping-Pong-mäßig geht das 5 Minuten hin und her, und Sie haben noch immer keinen Termin gefunden. Und manchmal geht ohne Elke nix. Da dauert es noch länger.

Timer

Und jetzt rechnen wir. Konservativ.

Angenommen, Sie schaffen Terminvereinbarungen in drei Minuten. Und das ist verdammt sportlich. Schauen Sie beim nächsten Mal auf die Uhr. Also 3 Minuten. Und angenommen, ein Fahrschüler absolviert bei Ihnen durchschnittlich 25 Übungsstunden. Dann sind das 75 Minuten. Peter verballert pro Fahrschüler 75 Minuten Ausbildungszeit für Terminvereinbarung. Oder anders: Da liegen knapp zwei Fahrstunden Einsparpotenzial.

Unternehmer unter Ihnen summieren bereits auf. Und in mittelgroßen Fahrschulen kommen sie in die Nähe der Jahresarbeitsleistung eines Fahrlehrers (70 (Schüler p.a/pro Fahrlehrer) x 2 (Fahrstunden) x 10 (Fahrlehrer) = 1.400 (Fahrstunden)). Und damit sich das wieder nicht bedrohlich anhört: Mit dem gleichen Personalaufwand schaffen Sie ca. 50 Fahrschüler mehr pro Jahr. Bei gleichen Kosten.

Die Terminvereinbarung muss raus aus dem Auto! Ausbildungsplan

Haben Sie schon Puls? Die Aussage ist nämlich provokativ. Bietet aber ungeahnte Chancen. Also runter mit dem Puls und weiterdenken. Wir bringen jetzt Franzi ins Spiel. Franzi ist die Servicemitarbeiterin von Peters Fahrschule. Franzi ist für die Zukunft der Fahrschule unerlässlich. Ohne Franzi gibt es keine Öffnungszeiten. Keine Preistarife. Keine Umsatzsteigerung pro Schüler. Auch der Simulator fährt ohne Franzi nicht. Und Franzi ist ab sofort zuständig für Fahrstundentermine. Und damit das nicht in heillosem Chaos mündet, erstellt Franzi mit Lisa (und auch jedem anderen Fahrschüler in Peters Fahrschule) einen individuellen Ausbildungsplan. Mit der Anmeldung werden also alle Theorieunterrichte des Blockunterrichtes (das war der Hartig-Blog November 2015) sowie die Termine der 25 Übungsstunden und der 12 Sonderfahrten fixfertig geplant und ausgemacht. Dafür gibt es in Peters Fahrschule eine schicke Broschüre.

Wie würde es den Beteiligten jetzt gehen?

PeterPeter findet das scheiße. Es bedroht seine Autonomie als Fahrlehrer. Schließlich ist er Herr seines Terminkalenders und nicht Franzi. Und überhaupt: Das klappt sowieso nicht.
Anderseits hätte Peter die Terminfindungsorgien von der Backe. Auch Elke wäre er los. Und sein Handy würde auch nicht dauernd piepen und klingeln. Und natürlich hätte er mehr Zeit für seine Fahrschüler und das, was eigentlich sein Job ist. Peter ist nämlich nicht als Sekretärin angestellt. Und damit Peter seinen Bedürfnissen und Gewohnheiten nachgehen kann, hat er mit Franzi Planungskorridore vereinbart.

 Lisa

Lisa findet das lässig. Sie ist nämlich aus der Verantwortung. Sitzt nicht mehr zwischen Peter und Elke. Und als GenZ-lerin liebt sie Planungssicherheit und Struktur. Auf dem Schulhof lächelt sie auch milde über die Klagen ihrer Freundinnen, die in anderen Fahrschulen keine Fahrstunden bekommen und monatelang warten. Lisa ist versorgt. Ihre Verweildauer in der Fahrschule ist kurz. 

 Elke

Elke fühlt sich verstanden. Endlich mal eine Fahrschule, die ihre Sorgen als Hüterin der Termine ihrer Tochter versteht! Und damit Lisa dann den Kopf auch frei hat, räumt Elke für das Projekt Praxisstunden auch alle anderen Termine aus dem Weg. Elke weiß schließlich, warum Lisa den Führerschein macht. Lisa selbst ist sich da gar nicht so sicher.

 

Bernd Bernd. Wer ist denn Bernd? Bernd ist der Unternehmer in Peters Fahrschule. Bernd freut sich über die Effizienz. Er macht sich nämlich große Sorgen, wie er den trotz Preiserhöhung immer noch anhaltenden Anmeldesturm bewältigen soll. Neue Fahrlehrer gibt es nicht. Und zwei Fahrstunden weniger sind eine Sofortmaßnahme. Bernd braucht nämlich Durchsatz und nicht Verweildauer. 
Und Bernd hat noch ein Ass im Ärmel. Bernd wird nämlich ein attraktiver Arbeitgeber. Durch Franzis clevere Planung (und seine Preistarife), bietet Bernd seinen angestellten Fahrlehrern die Möglichkeit des Schichtbetriebs. Und damit geregelte Arbeitszeiten und einen planbaren Feierabend. Mit etwas Glück, löst Bernd damit auch das Problem Fahrlehrermangel. 

Das wiederum findet Peter geil. Denn wenn es in der Fahrschule keinen Fahrlehrermangel gibt, hat er auch nicht mehr das Gefühl der ständigen Überlastung ...

Liebe Leserin, lieber Leser, wir könnten das jetzt beliebig weiterdenken. Meine Aufgabe ist es, Ihnen einen Denkanstoß zu geben. Den Blick von außen. Und fertige Terminplanungen sind in Bildungseinrichtungen die Regel und eben nicht die Außnahme. Was meinen Sie? Wollen wir da ran?

Falls ja, rühren Sie sich bei mir. Ich habe bereits eine Umsetzungslösung im Hinterkopf, die ich gerne mit 10 Testfahrschulen ausprobieren möchte.

Ich freue mich über Ihre Gedanken.

Ihr Nils Hartig, 03. Juli 2017