Storytelling ist gerade absoluter Trend – ob im Marketing, bei großen Unternehmen, in der Politik oder bei Vorträgen. Aber was steckt eigentlich dahinter? Und wie lässt sich Storytelling für Ihren Unterricht in der Fahrschule nutzen? 

Mehr als nur Anekdoten – Was Ihr mit Storytelling erreichen könnt

Wer Geschichten erzählt, der bleibt im Gedächtnis. Mit Geschichten können Sie auch komplizierte Zusammenhänge ganz einfach und verständlich vermitteln. Wir alle hören gerne Geschichten und wenn Sie gut erzählen, dann nehmen alle viel daraus mit. Sie brauchen keine abstrakten Begriffe mehr, sondern können mit lebendigen Erzählungen Sachen anschaulich erklären. Wichtig sind die Bilder im Kopf! Wenn Sie es schaffen, mit Ihrer Geschichten Bilder zu erzeugen, dann bleibt Ihren Schülern der Inhalt noch lange in Erinnerung. Bilder dringen viel intensiver ins Bewusstsein als jede Theorie, sie aktivieren nämlich beide Gehirnhälften. Und deshalb bleiben sie auch lange im Gedächtnis. Dabei gilt: Je mehr Emotionen Sie mit Ihrer Geschichte auslösen umso nachhaltiger ist auch die Wirkung. Bauen Sie Spannung auf und bringen Sie Humor mit in die Story. Dann können Sie auch Ihren Unterricht auflockern und die Schüler werden Ihnen viel lieber zuhören als bei trockenen Regel-Aufzählungen. Wichtig ist, dass sich Ihre Schüler auch mit der Geschichte identifizieren können, dass sie das Gefühl haben: „Das könnte ich sein.“ Nutzen Sie also „massentaugliche“ Themen, erzählen Sie von Situationen, in die jeder so geraten könnte. 

Tipps und Tricks für Ihre Geschichten

  • der Einstieg: Kündigen Sie nicht an, dass Sie jetzt eine Geschichte erzählen, sondern legen Sie einfach los. Sie können ruhig mitten ins Geschehen einsteigen. 
  • etwas Persönliches erzählen: Versuchen Sie, eine Geschichte zu erzählen, die Sie wirklich selber erlebt haben. Dann können Sie Ihre Emotionen viel glaubwürdiger rüberbringen. Wenn Sie bloß irgendeine Standard-Story wiederholen, zu der Sie aber gar keinen Bezug haben, dann merken Ihre Schüler das schnell! Mit einer persönlichen Geschichte können Sie auch sich selber als Erzähler in ein gutes Licht rücken. Sie können damit ein positives und menschliches Image aufbauen. Wenn Sie selbst die Hauptfigur der Geschichte sind: Stellen Sie sich nicht unbedingt als Helden dar, sondern ruhig als Mensch mit Schwächen. Es wirkt viel sympathischer, wenn Sie eine Misserfolgsstory mit gutem Ausgang erzählen als eine Geschichte, in der Sie von Anfang an alles richtig gemacht haben!  
  • „Es war einmal ..“?: Erzählen Sie – auch wenn Ihre Geschichte natürlich in der Vergangenheit stattgefunden hat – in der Gegenwartsform. Also zum Beispiel: „So um das Jahr 1998, ich fahre gerade nach hause, da …“ Das macht es viel anschaulicher und wirkt direkter. 
  • „eine komplizierte Geschichte“?: Nein! Erzählen Sie nur Geschichten, die leicht nachvollziehbar sind. Also keine Nebenschauplätze und komplizierten Verwicklungen. Es geht darum, dass Ihre Schüler sich etwas merken können und nicht darum, dass sie lange rätseln, wer „der Täter" war oder dass sie auch noch die nächste Staffel gucken wollen. 
  • Lassen Sie es krachen: Erzählen Sie Geschichten mit einem Konflikt. Es sollte um schwierige Entscheidungen, aufwühlende Erlebnisse, Einschnitte im Leben, oder Grenzerfahrungen gehen. Sie wollen schließlich Spannung aufbauen und dann eine Lehre aus der Sache ziehen.
  • nicht abbrechen: Wenn Sie angefangen haben, eine Geschichte zu erzählen, dann sollten Sie sie auch zu Ende erzählen. Niemand mag Erzähler, die einen völlig hängen lassen. 
  • wichtig ist die Überleitung: Leiten Sie nach der Geschichte wieder zum Unterrichtsinhalt über. Machen Sie noch einmal ganz klar, was die Story mit der Theorie zu tun hatte, zum Beispiel: „Und warum erzähle ich Ihnen das?“ oder „Daraus haben ich gelernt, dass …“

Story about what?

Sie können bei allen schwierigen Lerninhalten überlegen, ob Ihnen eine passende Geschichte einfällt, um das Ganze anschaulich zu machen. Es findet sich bestimmt etwas. Natürlich eignen sich kritische oder gefährliche Situationen aus Ihrem Fahrlehreralltag. Sie sollten aber darauf achten, dass die Geschichte nicht zu Lasten Dritter geht. Also nicht etwa den Fahrschüler, mit dem Sie da gerade unterwegs waren, als völlig unfähig darstellen. Gehen Sie lieber darauf ein, wie groß die Herausforderungen beim Autofahren eben manchmal sein können. Oder noch besser: Erzählen Sie von einem Erlebnis, als Sie selber am Steuer saßen. Sie können auch Geschichten erzählen, die Ihnen eine Freundin oder zum Beispiel Ihr Vater erzählt haben. Wichtig ist nur, dass Sie irgendeine persönliche Beziehung zu den Ereignissen haben, damit Sie mit Leidenschaft erzählen können.

Und jetzt?

Überlegen Sie direkt: Fällt Ihnen eine gute Geschichte ein? Sie haben sicher schon viel erlebt. Behalten Sie das nicht für sich, Ihre Schüler würden viel mit Ihren Geschichten  anfangen können. Überlegen Sie dann: An welchen Stellen im Theorieunterricht hatten Sie bisher immer das Gefühl, da fehlt noch etwas Anschaulichkeit? Wann schauen Sie in leere Gesichter bei Ihren Schülern? Setzen Sie hier gezielt Storytelling ein! Natürlich können Sie auch im Praxisunterricht an den passenden Stellen mit Geschichten arbeiten.

Und dann: „Schreiben“ Sie Ihre Geschichten immer wieder neu, überarbeiten Sie sie, dann werden sie jedes Mal etwas besser. Was ist damit gemeint? Achten Sie beim Erzählen auf die Reaktion Ihrer Zuhörer. Dann können Sie – je nachdem – an manchen Stellen etwas kürzen oder an anderen Stellen noch ausbauen. Sie sind der Erzähler!